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EMDR -

Eye-Movement-Desensitization and Reprocessing 


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Augenbewegung zur Desensibilisierung und Neuverarbeitung von bisher unbewältigten belastenden Ereignissen, vor allem in der
Traumatherapie ("Augenbewegungsdesensibilisierung")


Der Therapeut bittet den Klienten, sich an die Gefühle der traumatischen Situation zu erinnern. Diese werden dann auf einer Skala von 0 - 10 als wenig oder sehr belastend eingestuft. Dann folgt der Klient mit den Augen den "wischenden" Handbewegungen des Therapeuten.

Eine anschauliche Darstellung als "Wingwave"-Methode finden Sie hier  als PDF-Datei. Wingwave vereint Bilaterale Hemisphärenstimulation, wie beispielsweise "wache" REM-Phasen (Rapid Eye Movement = schnelle Augenbewegungen), Neurolinguistisches Programmieren und Kinesiologie.

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Ein ungewöhnliches Verfahren, das jedoch auf neuesten Erkenntnissen der Hirnforschung beruht. Die Vermutung: Durch die Augenbewegung werden beide Gehirnhälften stimuliert. 


Eine Technik, die Francine Shapiro Ende der 80er Jahre durch Zufall entdeckt hat. Sie schreibt, dass sie damals in Schwierigkeiten war. Sie hatte eine Krebskrankheit überlebt, hat sich in dieser Zeit mit Psychologie und Copingsstrategien und ähnlichem beschäftigt, ist Psychologin geworden, und eines Tages hatte sie irgendwie Beziehungsstress oder Sorgen und ging durch den Park, setzte sich auf eine Bank und merkte plötzlich, dass es ihr besser ging. Der Kopf war freier, und sie fragte sich: "Wie kommt das denn?" Das ist nun eine der wesentlichsten Fragen überhaupt: "Warum geht es mir eigentlich gut?" Die meisten Menschen überlegen sich ja nur, warum es ihnen schlecht geht; und wenn es ihnen gut geht, denken sie nicht groß darüber nach, das ist sicher unfunktional.

Die Frage: "Warum geht es mir eigentlich gut?" ist oft sehr viel hilfreicher als das ständige Grübeln, warum es mir nun schlecht geht und welche Ursachen in der Ehe meiner Großeltern dafür zuständig sind, dass ich heute das Wetter irgendwie nicht toll finde. Shapiro fragte sich also: "Warum geht es mir eigentlich gut?" und sie stellte dann fest, dass sie vorher die Augen schnell hin und her bewegt hatte. Das tat ihr gut, der Kopf wurde dadurch freier. 

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Was genau macht man? Man fordert den Klienten auf, erst mal das Bild herzustellen, die genaue belastende Situation:

"Ja eigentlich gar nicht, dass ich angefahren wurde, sondern dass das so lange dauerte, bis der Notarztwagen kam." –

"Aha, was sehen Sie da für ein Bild?" –

"Ich lieg’ da auf dem Boden und warte und warte und warte und der kommt nicht." - "Gut, was gibt es in Ihrem Inneren, (Verhaltenstherapeuten: negative Kognitionen, Psychoanalytiker: Über-Ich-Anteile), was gibt es in Ihnen so an kritischen Stimmen oder an Stimmen, die Sie verurteilen?“

Viele denken: „da bin ich ja selber schuld, geschieht mir recht oder: der arme Autofahrer, jetzt bin ich der Anlass gewesen, dass er sich Schuldgefühle macht. Ich hätte ja aufpassen können."

Der Therapeut fragt dann weiter: "Was für ein positiver Gedanken würde zu der Situation gehören, wenn Sie vernünftig darüber reden?"

"Ja, das war sein Fehler, ich habe schon aufgepasst, der ist viel zu schnell gefahren und war wohl in Gedanken ganz woanders, und mit mir, das ist in Ordnung, also ich habe richtig gehandelt."

In einem positiven Gedanken kommt kein "nicht" vor, das Gehirn denkt nicht "nicht"; das klassische Beispiel ist, wenn ich Sie bitte, in der Mittagspause nicht an einen rosaroten Panther zu denken („denken Sie bitte nicht an einen rosaroten Panther, denken Sie nicht an einen rosaroten Panther). Also, das geht nicht. Deshalb dürfen die Formulierungen kein "nicht" enthalten, sondern nur positive Kognitionen.

"Welcher Affekt ist dabei? Was fühlen Sie?"

"Todesangst, Panik."

"Wie stark ist dieses Gefühl? 10 wäre unerträglich, 0 wäre: macht mir nichts aus?" "Ja ist so bei 8 zur Zeit."

"Wo spüren Sie den Affekt im Körper?" Es ist immer besonders wichtig, die Affekte mit den Körpersensationen zu verbinden.

"Ja, das ist so ein Druck im Bauch und im Hals, das spür’ ich ganz gut."

"Gehen Sie in die Situation hinein, stellen Sie sich das Bild vor, lassen Sie den Gedanken zu: Selber schuld! Spüren Sie die Todesangst und spüren Sie ihre Körpergefühle und schauen Sie auf meine Hand!"

Dann bewegt der Therapeut die Hand hin und her, und die Klienten folgen der Hand mit den Augen, etwa 25 mal (in der ersten Sequenz rund 50 mal), dann bekommt man auch ein Gefühl dafür, wann der Blick anfängt zu flackern.

"Gut, Augen zu, tief Luft holen, Bild zurücktreten lassen….(hier kann man eine hypnotische Trance oder eine kurze Tiefenentspannung einfließen lassen) Nun wieder die Augen aufmachen, was passiert?"

Dann laufen im Klienten traumähnliche, schwer vorhersagbare Restrukturierungs-Prozesse ab. 

Nach mehreren Sets nach diesem Muster sind die Klienten im Allgemeinen bei einem entlastenden Zustand angekommen: "Also ich sehe jetzt einfach nur noch mich als kleinen Jungen auf einem Dreirad immer die Straße auf und ab fahren und fühle mich ganz toll dabei."

"Bleiben Sie dabei". Das Bild wird noch einmal mit Augenbewegungen verstärkt, "Und gehen Sie jetzt noch einmal zurück in die ursprüngliche Szene, wie hat sich das verändert?"

"Ja, irgendwie ist das Bild blasser geworden, die Todesangst ist nur noch beim Skalenwert 5, die spüre ich nicht mehr im Bauch, sondern mehr so im Hals."

Nach einer erneuten Sequenz, in der das Ganze noch einmal durchgearbeitet wird, ist es meist so, dass bei einfachen Traumata oft schon in zwei, drei Sitzungen die Symptomatik sehr stark zurückgegangen oder fast weg ist.

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Bei manchen Monotraumata reicht sogar oft eine Sitzung.

Bei mehrfach Traumatisierten sollte man sich auf einen Prozess einstellen, der länger dauert.      Es sind ja mehrere Traumatisierungen, und wir machen im Durchschnitt so 10 Traumasitzungen in dieser Zeit. Man muss richtig eine Karte aufstellen, mit den frühen Traumatisierungen beginnen, weiterschreiten zu den späteren. Da ist es auch nicht so, dass hinterher alles wieder gut ist.    Oft ist es so, dass die Patientinnen hinterher Intrusionen an andere Erfahrungen haben, dass sich die Bilder zwar verändert haben, dass dafür aber neue Bilder kommen.

Dieses Verfahren ist alles andere als indifferent. Das sage ich den Patienten auch vorher; denn durch die Traumarbeit, gerade mit EMDR, sind Amnesien oft schlagartig aufgehoben: Sachen, die über Jahre und Jahrzehnte nicht erinnert wurden, stehen plötzlich ganz kalt vor Augen, ganze Lebensabschnitte zwischen 8 und 12 sind plötzlich da, und das ist dann nicht mehr rückgängig zu machen! Es kann sein, dass die Aufteilung der Familienmitglieder: "Mutter hat nichts gewusst" oder: "Oma war immer eine sichere Zuflucht", dass die plötzlich weg ist, weil der Patientin Bilder vor Augen stehen, dass die Mutter sich das Ganze ansieht und eine Weinflasche in der Hand hat und eine Zigarette raucht und dreckig lacht. 

Diese Bilder müssen nicht wahr sein! Was in Traumaexpositionen hoch kommt, ist nicht immer wahr im juristischen Sinne! Es ist bis heute nicht klar auseinander zu halten, was nun reale Erinnerungen sind und was Verarbeitung, das macht die juristische Arbeit sehr schwer. Wenn Sie verstanden haben, dass Traumaarbeit immer das „Verträumen“ von traumatischen Erfahrungen beinhaltet, dann können Sie sich denken, dass es gut ist, wenn jemand die traumatische Szene verändert, dass es dafür aber den Wahrheitsgehalt der Aussage schwächt. 

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Traumaexposition mittels EMDR auf keinen Fall oder nur unter äußerster Vorsicht gemacht werden sollte, wenn es Täter-Opfer-Kontakte gibt, oder wenn die Klienten  in missbrauchenden Beziehungen leben. 

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